Raspberry Pi 5 vs. Mini-PC: Wann lohnt sich das Basteln noch?
- Aktualisiert am:
- Max Hoffmann
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Die Bastel-Illusion bröckelt
Vor fünf Jahren war die Sache absolut klar. Du willst einen günstigen Heimserver, einen Werbeblocker oder eine Retro-Konsole basteln? Kauf einen Raspberry Pi. Er war konkurrenzlos billig. Heute? Komplett andere Welt. Bei meinem letzten Server-Upgrade stand ich exakt vor dieser Entscheidung und habe den ultimativen Raspberry Pi 5 vs Mini PC Vergleich gemacht. Spoiler: Der kleine Brite ist nicht mehr der automatische Sieger. Chinesische Hersteller werfen dir mittlerweile vollwertige Intel-Rechner für einen Bruchteil dessen hinterher, was ein großer Tower-PC kostet. Und der Pi? Der ist erwachsen – und teuer – geworden.

Die versteckte Kostenfalle beim Pi
Machen wir uns nichts vor. Ein nacktes Pi 5 Board mit 8GB RAM kostet um die 80 Euro. Das klingt erstmal super. Aber dann? Du brauchst einen Kühlkörper, weil der neue Chip sonst drosselt. Eine schnelle SD-Karte oder besser gleich einen NVMe-HAT für eine echte SSD. Das spezielle 27W-Netzteil. Ein schickes Gehäuse. Ruckzuck bist du bei 140 bis 160 Euro. Und genau da fängt mein Problem an: Für ziemlich genau dieses Geld bekommst du einen fertigen Intel N100 Mini-PC. Auspacken, Strom dran, läuft. Die Verfügbarkeit von Zubehör beim Pi ist zwar riesig – aber du musst es eben auch kaufen.
Aus der Community Ein Kollege im Maker-Space meinte neulich zu mir: Mach auf jeden Fall einen Preis-Check inkl. Netzteil und Gehäuse, bevor du blind den Pi kaufst. Die nackten Board-Preise sind reine Augenwischerei.

Einstiegshürde Betriebssystem: Linux-Gefrickel
Die Einstiegshürde Betriebssystem ist real. Wer noch nie ein Terminal von innen gesehen hat, verzweifelt beim Pi manchmal schon am simplen Mounten einer Festplatte. Klar, das Raspberry Pi OS (basierend auf Debian) ist extrem anfängerfreundlich geworden. Die offizielle Raspberry Pi Dokumentation ist Gold wert. Aber es bleibt eben Linux auf einer ARM-Architektur. Willst du einfach nur Excel nativ laufen lassen? Vergiss es. Ein Reddit-User hat es in einem Thread kürzlich perfekt auf den Punkt gebracht: 'Mini PCs für Windows-Apps, Pi für GPIO-Basteleien.' Besser kann man diese Kluft nicht beschreiben. Beim Mini-PC kriegst du meistens Windows 11 Pro vorinstalliert. Einschalten. Fertig.
Wo der Pi 5 trotzdem glänzt
- GPIO-Pins
Du willst Sensoren, LEDs oder Motoren direkt ansteuern? Hier ist der Pi ungeschlagen. Kein Mini-PC bietet dir diese direkte Hardware-Schnittstelle.
- CSI/DSI-Anschlüsse
Direkte Kamera- und Display-Anbindung ohne USB-Overhead. Perfekt für Computer-Vision-Projekte.
- Community & Tutorials
Egal welches noch so nischige Problem du hast: Irgendjemand im Netz hatte es schon vor dir und eine Lösung dokumentiert.
Stromverbrauch vs. Rechenleistung: Der Mythos fällt
Das ist oft das absolute Totschlagargument für den Pi. 'Der braucht doch nur 3 Watt!' Stimmt. Im Leerlauf. Aber ein moderner Intel N100 Mini-PC? Liegt im Idle bei gerade mal 5 bis 6 Watt. (Glaub mir, ich hab das mit einem kalibrierten Messgerät wochenlang getrackt). Der Unterschied auf der jährlichen Stromrechnung? Keine drei Euro. Dafür liefert der Intel-Chip bei Bedarf aber massiv mehr Leistung. Vor allem beim Hardware-Transcoding für Medienserver wischt die Intel Quick-Sync Einheit mit dem Pi gnadenlos den Boden auf. Das macht WIRKLICH den Unterschied, wenn du Filme im Netzwerk streamst.
Die Hardware im direkten Vergleich

Kaufempfehlung: Welches System für wen?
Also, wie entscheidest du dich jetzt? Meine Faustregel ist mittlerweile ziemlich simpel. Wenn du ein reines Software-Projekt planst – also einen stabilen Home Assistant Server, einen Docker-Host oder einen kleinen Windows-Desktop-Ersatz für einfache Office-Aufgaben: Kauf den Intel Mini-PC. Du sparst dir Nerven, Zubehör-Käufe und hast mehr Power.
Aber: Wenn du löten willst. Wenn du in die Welt der Maker-Projekte mit Objekterkennung einsteigen möchtest. Wenn Sensoren ausgelesen und Roboter gesteuert werden sollen. Dann führt absolut kein Weg am Raspberry Pi 5 vorbei. Seine GPIO-Pins sind der Schlüssel zur physischen Welt.

Die Mittelklasse: Wenn es mehr sein darf
Und noch was: Wenn dein Budget etwas lockerer sitzt (ca. 300 bis 400 Euro), öffnen sich bei den Mini-PCs ganz andere Türen. Geräte mit AMD Ryzen 7 Prozessoren (wie dem 5800H oder 7735HS) bieten genug Grafikleistung, um darauf sogar entspannt in 1080p zu zocken. Hier verlässt der Mini-PC das Bastel-Territorium komplett und wird zum ernstzunehmenden Desktop-Replacement. Solche Leistungsdimensionen wird ein Raspberry Pi bauartbedingt niemals erreichen.
Mein persönliches Fazit
Zugegeben, ich liebe den Pi. Er hat mir Linux beigebracht und mich in die Welt der Elektronik eingeführt. Aber für reine Server-Aufgaben habe ich meine Pis mittlerweile in die Rente geschickt. Der Intel N100 hat den Markt einfach zu stark aufgerollt. Wer heute klug kauft, definiert sein Ziel VORHER extrem genau. Software-Dienste? Mini-PC. Hardware-Bastelei? Raspberry Pi. So einfach ist das.

Gaming-Experte & Hardware-Tester. Bewertet Monitore, Tastaturen, Mäuse und Grafikkarten.
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